
„Ein NS-Regime war darangegangen, ein tausendjähriges Reich zu errichten, den Herrenmenschen an die Stelle von Gott zu setzen, eine Blut- und Bodenideologie zur Staatsdoktrin zu erheben, die Menschen in lebenswert oder unwert einzustufen und man hatte sich daran gemacht, ein ganzes Volk, das jüdische Volk, von der Erde zu vertilgen“, erinnerte Erzbischof Burger in seiner Predigt an die 1930er- und 1940er-Jahre. Es seien Gedanken, die auch in der gegenwärtigen Zeit wieder hoffähig werden „und schon bei einigen hoffähig geworden sind, leider!“. Für den Erzbischof stellen sich damit die Fragen, warum Menschen in unserer Gesellschaft so geschichtsvergessen sind, die nicht dazulernen. „Warum frisst sich wieder ein menschenverachtender Antisemitismus in die Herzen von Menschen?“
Beim jungen Priestersoldaten Josef Kary, dem das Kapellenfest zu verdanken sei, haben die Kriegsereignisse Spuren hinterlassen. Kary gelobte seinerzeit, Maria zu Ehren eine Kapelle zu erbauen, wenn er den Krieg überlebt. Mit seinem Gelöbnis bleibe eine Erfahrung erhalten, die dieser Priester sein Leben lang mit all jenen teilen konnte, die ihn aufsuchten, die ihn zu dieser Kapelle immer wieder im Sommer begleiteten, schilderte Burger. „Es geht um diese Erfahrung, eine existenzielle Notlage durchlitten zu haben und darin aufgezeigt zu bekommen, was im Leben wirklich zählt, was das Leben eigentlich ausmacht, ja von was es letztendlich abhängt.“ Für Josef Kary sei klar gewesen, dass er sein Überleben der Hilfe und der Fürsprache der Gottesmutter Maria verdanke.
Sich der Gottesmutter Maria anzubefehlen, heiße nicht, seine je eigenen irdischen Wünsche oder Sehnsüchte automatisch erfüllt zu bekommen. „Es bedeutet aber sehr wohl, auch in der Stunde des Todes von Christus und seiner Mutter gehalten und bewahrt zu sein“, sagte Burger in der Predigt weiter. „Hierfür steht nicht weniger das Schicksal des leiblichen Bruders von Pfarrer Kary.“ Dieser wurde in Russland von Partisanen umgebracht. Auch für ihn sei diese Kapelle Mahnmal und Erinnerung zugleich, sich unaufhörlich an die Königin des Friedens zu wenden, damit sich nicht weiterhin unsägliches Leid ereignen möge. Ukraine, Naher Osten, Afrika und viele andere Orte mehr würden uns ständig vor Augen führen, wie Menschen sich nach Frieden sehnen, „und dass nicht der Krieg, sondern das Leben unsere Bestimmung ist“.
Hintergrund
Auf der Alpe Klesenza im Großen Walsertal errichtete der aus Rötenbach-Friedenweiler stammende Pfarrer Josef Kary 1953 eine Marienkapelle zum Gedenken an die Heimkehr aus dem Krieg und an seinen in Russland getöteten Bruder. Josef Kary selbst schwor während des Krieges, dass er bei der Rückkehr zu Ehren der Gottesmutter Maria eine Kapelle bauen würde, die auch an seinen den Märtyrertod gestorbenen Bruder erinnern sollte. Josef Kary kam als einer der nur sieben Überlebenden von 220 Soldaten seiner Truppeneinheit zurück und löste sein im Kaukasus gegebenes Versprechen ein. Stephan Burger hat die Leitung der Gedenkfeier von Josef Kary nach dessen Tod übernommen. Zu der Messe kommen jährlich auch viele Pilgerinnen und Pilger aus dem Schwarzwald ins österreichische Buchboden.
(mf)
![Quelle: Roman Eisele [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons](https://www.se-edith-stein.de/im/img/_KrGYSQLbSrXmS-LWn6dWs6jOevG5f5D_IDuaKtH_IOc5SjVmSlX5fCAbIrRaIHd5d/f,j/kirchenbilder_neu.jpg)







